Ein Delfin hilft Alicia (5)

Alicia und Spunky

„Jeden Tag bei der Delfin-Therapie hat Alicia ein Stückchen weiter gebracht.“

Heike Meier aus Lemgo (Kreis Lippe) lächelt zufrieden, während sie das Kind im Arm Hält. Alicia ist ein kleines blondes Mädchen von fünfeinhalb Jahren. Sie leidet unter einer Hirnfehlbildung: Sie kann nur mit Hilfe sitzen oder greifen, sprechen und laufen kann sie gar nicht. Gemeinsam mit ihren Eltern Heike und Uwe sowie dem kleinen Bruder Lennard reiste Alicia im April für drei Wochen nach Florida in die USA, um dort an einer Delfin-Therapie teilzunehmen.

„Im ersten Gespräch erklärte man uns, dass auch Kinder wie Alicia eine Möglichkeit zur Kommunikation geboten werden muss“, so Heike Meier. Die Therapie dauerte täglich 50 Minuten. Alicia war in dieser Zeit alleine mit Therapeuten und Betreuern auf einem Dock. Dort zeigte der Therapeut Alicia immer wieder Karten, die mit einfachen Symbolen (zum Beispiel für „Essen“, „Trinken“ oder „Kindergarten“) versehen waren. Später musste Alicia mit der flachen Hand die vorgehaltenen Bilder berühren, während der Betreuer ihr das entsprechende Wort nannte. Gegen Ende der Therapie konnte das Mädchen sogar zwischen zwei Symbolen unterscheiden. Und zur Motivation zog „Spunky“ die Kleine durchs Wasser. „Der Delfin hat Alicia immer wieder angestubst, er war stets in ihrer Nähe und hat sie mit seiner freundlichen Art zum Lachen gebracht“, erinnert sich die Mutter.

Auch bei einem Steckspiel war der Delfin im Einsatz. „Spunky“ brachte die Ringe zu der Kleinen, die sie dann auf einen Stab gesteckt hat. „Für Alicia eine große Leistung, denn bis zu diesem Zeitpunkt konnte sie gar nicht zugreifen“, sagte Heike Meier.

„Wir sind begeistert von den Resultaten. Alicia ist viel wacher und fröhlicher geworden. Wir können nun mit Hilfe der Bildtafeln an unserer Kommunikation arbeiten und ihre Körperspannung hat sich merklich verbessert“, freut sich die Mutter. „Kein anderes Tier auf der Welt scheint so einfühlsam zu sein und kann bei einem Kind so viel bewirken“.

Auf die Therapieform wurde Familie Meier durch Zeitungsartikel aufmerksam. „Wir haben uns mit >Dolphin Aid< in Verbindung gesetzt. Nach zwei Jahren Wartezeit kam der Anruf, dass wir einen Therapieplatz bekommen. Sechs Wochen später saßen wir im Flieger nach Florida. Alles war prima organisiert“, lobt Heike Meier.

Nach dem Erfolg der Therapie hat sich die Familie vorgenommen, bald wieder nach Amerika zu reisen. „Mein Dank gebührt allen, die uns unterstützt haben, nicht zuletzt den Spendern, denn eine solche Therapie ist sehr teuer und die Krankenkasse übernimmt trotz der guten Resultate keine Kosten“, dankt die Mutter. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass man ihr Kind so sieht wie die Amerikaner es ihr vorgemacht haben: nicht als behindert sondern als Mensch mit besonderen Bedürfnissen.

 

Text und Bild aus der Lippischen Rundschau vom 28.05.2002